Praxis für Psychotherapie

Johannes Resch

Ich freue mich, dass ich Ihnen meine Praxis für Psychotherapie vorstellen darf!



Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch! 
Rainer Maria Rilke (aus dem Gedicht "Was mich bewegt")

Zu mir kommen Menschen, die

  • in Lebenskrisen stecken
  • Angstzuständen und Zwängen ausgesetzt sind
  • unter Burnout oder Depression leiden
  • unter den Folgen von Traumatisierung leiden
  • unter chronischen Schmerzen leiden
  • mit der medizinischen Diagnose einer schweren Krankheit konfrontiert sind
  • Rat und Unterstützung bei Partnerschaftskonflikten suchen

oder Menschen, die in ihrem Leben etwas verändern oder entwickeln möchten: Ihre Partnerschaft, Ihr Leben mit Kindern, Ihre Gesundheit, Ausbildung und Beruf, Freundeskreis und soziales Netzwerk ...

Wenn Sie sich dafür entscheiden, eine Psychotherapie zu beginnen, ist es nachvollziehbar, dass Sie Befürchtungen haben. Vielleicht haben Sie gemischte Gefühle dabei, denn es ist gar nicht ungewöhnlich, dass eine Seite in uns sich mitteilen möchte, weil sie sich Hilfe wünscht, während eine andere Seite in uns diese Information lieber für sich behalten will. 

Die Einzeltherapie beginnt mit der Vereinbarung des Erstgespräches. Das Erstgespräch dient in erster Linie dem Kennenlernen und um ein Gefühl füreinander zu bekommen.

Als Therapeut möchte ich herausfinden, wie ich allen Aspekten von Ihnen und Ihrer Geschichte zuhören, sie respektieren und verstehen kann. Wenn dabei Beunruhigungen auftreten, wird es den Raum geben, sich über diese auszutauschen. Es wird dann villeicht möglich, die persönlichen Ursachen dafür zu finden, und wir können damit beginnen, widersprüchliche oder schmerzvolle Aspekte Ihres Lebens anders zu gestalten. 

Als integrativer Therapeut folge ich in meiner Arbeit der Grundannahme, dass das körperlich-Seelische und das geistig-Emotionale Eigenschaften des gleichen Menschen sind. Die therapeutischen Handlungen können daher von jeder dieser Ebenen ausgehen.



Eine Einzelsitzung dauert 50 Minuten und kostet EUR 100,00.
Die Preise werden einmal jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst.

Sie erhalten eine Rechnung, die Sie bei Ihrer Krankenkasse einreichen können. Die Kasse erstattet pro Therapiesitzung einen Teil der Kosten zurück, wobei der Betrag je nach Krankenkasse unterschiedlich ist:

ÖGK: 28,00 / SVS, BVA: 40,00.



Was kommt auf dieser Erde der Glückseligkeit am nächsten? Es ist wahrscheinlich die Liebe. Wir wollen immer lieben und geliebt werden. Die Zuneigung, welche zwei Liebende zueinander empfinden, ist unwillkürlich. Sie verdankt sich einer geheimen, mächtigen Anziehung. In der Liebe überschneiden sich unterschiedliche Ursachen und Wirkungen: Bestimmung und Wahl, äußere und innere Kräfte, Schicksal und Freiheit. Das Gebiet der Liebe ist ein durch die Begegnung zweier Menschen magnetisierter Raum.

Bei meiner Begleitung von Paaren habe ich die Erfahrung gemacht, dass jedes Liebespaar eine Ausnahme von jeder Regel ist. Dennoch möchte ich eine Orientierung geben. Der Dichter Octavio Paz hat die Idee der Liebe sorgfältig untersucht, um ihre Natur zu erkennen und die wesentlichen Bedingungen unseres Bildes der Liebe zu ordnen. Er kam dabei auf folgende Elemente:

Das erste Charakteristikum der Liebe ist die schicksalhafte Anziehung und Bezauberung. Die erotische Anziehung ist eine Mischung subtiler Art und jedes Mal anders. Sie besteht aus animalischen Gelüsten und geistigen Archetypen, aus Kindheitserinnerungen und aus Phantomen unserer Träume. Die Erotik ist singulär und verachtet keine Anomalie. Gibt es nicht auch schöne Monster? Wir können eine Person trotz des Verschleißes durch den Alltag und die Gewohnheiten oder ungeachtet der Verheerungen des Alters und der Krankheit lieben.

Das zweite Element der Liebe ist die freie Wahl in Gegenseitigkeit. Es ist nicht egal, ob mit diesem oder mit jener. Wir lieben diese Person und nicht eine andere. Und dies ist die Linie, welche die Grenze zwischen Liebe und Erotik aufzeigt: Erotik ist Einwilligung, Liebe ist Erwählung. Es ist der eigene freie Wille, die eigene Freiheit, die das Verlangen in Erwählung verwandelt. Eine weitere unerlässliche Bedingung auf dem Weg zur Liebe ist die Reaktion des anderen: die oder der andere, die einwilligt oder ablehnt, Ja oder Nein sagt. Es braucht den freien Willen in Gegenseitigkeit.

Im dritten Element geht es um Treue und Hingabe. Das Trachten nach Anerkennung durch die geliebte Person ist das ständige Verlangen aller Liebenden. Jedoch macht die Forderung nach Ausschließlichkeit die Liebe rigoros und zu einer Askese, und tatsächlich ist die Untreue das tägliche Brot der Paare. Wir sind unvollkommene Wesen, und all unser Tun trägt das Stigma unserer ursprünglichen Unvollkommenheit. Nur die freiwillige Vereinigung in Gegenseitigkeit bewirkt einen Wesenswandel hin zu freiwilliger Akzeptierung der Abhängigkeit und zum Verzicht auf persönliche Überlegenheit, zum Beispiel aufgrund des gesellschaftlichen Standes, der Bildung oder anderer überlegener Möglichkeiten.

Das vierte Hauptmerkmal der Liebe besteht in der unauflöslichen Einheit der Gegensätze von Körper und Seele. Die Liebenden lieben den Körper und die Seele gleichermaßen. Ohne körperliche Anziehung gibt es keine Liebe. Auch wenn unsere Tradition seit Platon die Seele gepriesen und den Körper geringgeschätzt hat, die Liebe hat von Anfang an auch den Körper geehrt. Über den Körper ist die Seele fühlbar, wir können die Seele berühren.

Ein weiteres Element der Liebe sind Hindernisse und deren Überschreitung. Alle Paare sehen sich diesen oder jenen Hindernissen und Verboten gegenüber, die ihrer Liebe im Weg stehen, und sie alle übertreten sie.

In der Paartherapie besteht die Möglichkeit, jeden dieser Punkte zu reflektieren und sich anregen zu lassen. Dadurch soll das Vertrauen gefestigt werden, um jene Widersprüche aushalten und wandeln zu können, die in Liebesbeziehungen notwendig auftauchen, wenn das Paar die Liebe in vollen Zügen genießen möchte.

In Liebesbeziehungen tauchen auch Bedürfnisse aus früheren Zeiten auf, nach Verstandenwerden, Gehaltensein und Akzeptanz. Wenn jeder die Erfahrungen des anderen aufnehmen kann, bestehen große Chancen auf eine glückliche Liebe. Dafür braucht es Halt, Sensibilität und eine spezielle Form. Günstig ist ein Dritter, der als Gesprächsleiter den Rahmen vorgibt.



Die Kosten für die Arbeit zu Dritt betragen EUR 120,00 für 60 Minuten. 
Die Preise werden einmal jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst.

Menschen, die sich für ihr Innenleben interessieren, weil sie an Symptomen leiden oder vorsorgen wollen, biete ich psychosomatische Begleitung an.

Wie alle Lebewesen hänge ich als Mensch an meinem Leben und es ist mir nicht egal, ob es mir gut oder schlecht geht. Mein Körper will seine lebendige Form bewahren. Er meldet sich mit Hunger, dem Bedürfnis zu schlafen und schlägt Alarm, wenn ich krank oder verletzt bin.

Auf der psychischen Ebene kommt zu meinem Bestreben am Leben zu bleiben, noch das Verlangen, in der Welt Sinn und Zweck zu finden und damit dem Leben Bedeutung zu geben. Ich strebe nach Nützlichem und versuche, Schädliches von mir fernzuhalten. Ob mir das gelingt, fühle ich. Ich habe Gefühle für das Gute, für das Schlechte und Gefühle für den Weg vom Schlechten zurück zum Guten - und all das vor dem Hintergrund meiner Endlichkeit.

Wenn Leben gelingt, fühle ich Freude, ein angenehmes Fließen und Zufriedenheit. Wenn dieses Gute unterbrochen wird, spüre ich Angst, Enttäuschung oder Schmerz. Es tut weh. Der Weg zurück zum Guten kann anstrengend sein und wird oft von Zorn oder Trauer begleitet.

Aber was passiert, wenn der Weg zurück zum Guten trotz aller Anstrengung nicht gelingt? Dies ist die zentrale Frage der Psychosomatik. Schlechte Gefühle aus früheren Lebensphasen, die nicht aufgelöst werden konnten, werden aus dem Bewusstsein entfernt, damit ein Weiterleben möglich ist. Diese Mischung aus Angst, Schmerz, Zorn und Anstrengung wird in tiefere Regionen des Körpers ausgelagert. Diese belastenden Gefühle binden Lebenskraft und beanspruchen unseren Organismus.

Ein zentrales Anliegen der Therapie besteht darin, solche ausgelagerten Gefühle wieder ins Bewusstsein zu holen, um sie zu fühlen, die persönliche Betroffenheit wahrzunehmen, sie in die eigene Lebensgeschichte einzuordnen und ihre Bedeutung für das vor mir liegende Leben zu realisieren. Diesen Weg möchte die Therapie mit einer bestimmten Form des inneren Dialogs vorbereiten und begleiten.

Ergänzend kann anhand einer Reflexion über Bewegung, Ernährung und Lebensbedingungen der Zellen die körperliche Regeneration unterstützt werden. Wenn es den Körperzellen gut geht, geht es den Organen gut, und wenn es den Organen gut geht, geht es dem Körper gut.



Eine Einzelsitzung dauert 50 Minuten und kostet EUR 100,00.

Die Preise werden einmal jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst.

Sie erhalten eine Rechnung, die Sie bei Ihrer Krankenkasse einreichen können. Die Kasse erstattet pro Therapiesitzung einen Teil der Kosten zurück, wobei der Betrag ja nach Krankenkasse unterschiedlich ist.

ÖGK: 28,00 / SVS, BVA: 40,00.

Meine Ausbildung zum Psychotherapeuten habe ich in Vorarlberg, Krems und München gemacht. 

Ich bin in der Psychotherapeutenliste des Ministerium für Gesundheit eingetragen und ich bin Mitglied im Vorarlberger Landesverband für Psychotherapie.

Mich faszinieren die vielfältigen Ziele, die in uns Menschen stecken und nach Verwirklichung streben, ausgestattet mit Motivationen und dem Potential für Sinn und Glück - und mich berührt der Schmerz, der nach Hilfe ruft, wenn unser Lebensfluss bedroht ist.

Wenn Sie möchten, begleite ich Sie ein Stück auf Ihrem Weg.

Geboren bin ich 1957 in Oberösterreich, wo ich auch aufgewachsen bin. Ich habe in Graz studiert und danach einige Jahre in Wien gelebt und gearbeitet. Seit 1991 lebe ich in Vorarlberg. Ich habe zwei erwachsene Kinder.

Bevor ich vor mehr als zehn Jahren Psychotherapeut geworden bin, habe ich Berufe in verschiedenen Branchen ausgeübt, zuerst als Angestellter, dann als selbständiger Unternehmer. Das Interesse am Menschsein und die damit verbundenen Geheimnisse haben mich dazu motiviert, Psychotherapeut zu werden.

Ich sehe die Wirklichkeit, so wie Albert Camus es ausdrückt, nicht als das Unvollkommene, das wir Menschen durch Utopien und Techniken ändern müssen. Viel mehr ist es das Unvollkommene, das uns zu Mitwirkenden und Gestaltern der Wirklichkeit macht, indem wir unseren Lebensraum lebendig machen. Ich finde es gut, wenn wir uns dieser Schöpfungskraft bewusst sind, und die damit verbundene persönliche Verantwortung anerkennen. Es verbessert unsere Beziehungen und fördert den Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft.


Johannes Resch, MSc
Praxis für Psychotherapie
Integrative Therapie
Am Kehlerpark 5
A-6850 Dornbirn
+43 699 15 95 21 53
psychotherapie.resch@gmx.at
psychotherapie-resch.at

Ich freue mich, wenn Sie mich anrufen oder mir ein E-Mail schreiben.

Anruf:  +43 699 15 95 21 53
Ein Telefongespräch ist sehr gut geeignet, um erste Fragen zu klären und ein Erstgespräch zu vereinbaren.

Email:  psychotherapie.resch@gmx.at
Sollten Sie innerhalb von zwei Tagen von mir keine Rückantwort erhalten, bitte ich Sie, mich anzurufen.

Herzlichen Dank!



Ist es einem Lebewesen gelungen, lebendig zu werden, möchte es mit dem Lebendig-Sein nicht mehr aufhören. Wir Menschen sind da unter den Lebewesen keine Ausnahme. Wir wollen lebendig bleiben und sind bereit, vieles dafür zu tun. Das ist auch notwendig, denn ohne Nahrung und Schutz können wir nicht überleben. Doch meistens wollen wir noch viele mehr. Und das obwohl wir Menschen wissen, dass wir im Leben nicht alles, was wir erstreben, auch erreichen, und dass wir am Ende sterben. Das entmutigt die meisten nicht. Es sieht sogar so aus, als ob es uns anspornt. Und wer sich ehrlich und tief erforscht, wird entdecken, dass es auch Angst macht, die uns unsere Freiheit nehmen kann. Angst kann aber auch ein guter Ratgeber sein, wenn sie uns zum Handeln bringt, wo nicht handeln fahrlässig wäre im Sinne des Lebens.

Auf der einen Seite ist unser Handeln notwendig, um lebendig zu bleiben, auf der anderen Seite kann man es auch kritisch betrachten. Unser Handeln zielt darauf ab, etwas zu ändern, weil wir für oder gegen etwas sind. Es soll nicht so bleiben wie es ist. Ich möchte mich selbst immer wieder anders haben als ich bin, ich möchte meine Partnerin, meinen Partner, meine Kinder und andere Personen anders haben, als sie jetzt sind, ich möchte die Welt anders haben als sie ist. Etwas ändern braucht Zeit, Anstrengung und Ressourcen. Erschwerend kommt dazu, dass mein Streben nach Änderung signalisiert, dass es so wie es ist, für mich nicht passt. In Sozialbeziehungen ist diese Botschaft für den Empfänger eine Kritik. So wie du bist, bist du für mich nicht richtig. Diese Kritik führt unausweichlich zu einem Konflikt, der das Zusammensein belastet. Ein weiteres Hindernis für mein Handeln könnte darin bestehen, dass ich ganz darauf fokussiert bin, wie es sein sollte, und dem Ist-Zustand keine Bedeutung widme. Wenn ich z.B. Gewaltlosigkeit anstrebe, ohne mich für die Gewalt zu interessieren, und ihr die Aufmerksamkeit zu geben, die sie braucht, um zu einem Ende zu kommen, dann kann Gewaltlosigkeit keinen Raum bekommen.

Wenn ich nicht handle, könnte ich zu Schaden kommen, wenn ich eine Änderung durch mein Handeln durchsetze, könnte ich Schaden verursachen. Gibt es in diesem Dilemma ein rechtes Maß, und wie könnte man es finden? Ich möchte eine Möglichkeit aufzeigen, die den Raum öffnen könnte, um in ein rechtes Maß hineinzuleben. Wenn ich dem "was ist" meine ganze Aufmerksamkeit schenke, dann bin ich nicht für etwas, und auch nicht gegen etwas, sondern ich bin interessiert, ohne es ändern zu wollen. Wann immer mir das gelingt, bin ich ganz frei, und es gibt eine gute Chance, Altes zu beenden und Neuem Raum zu geben.

Ich kann als Mensch für etwas sein, ich kann gegen etwas sein, oder ich kann interessiert sein an dem "was ist", ohne es ändern zu wollen. Daraus resultieren bestimmte Handlungssysteme:

Der Körper verlangt Nützliches und meidet Schädliches. Damit sind die beiden Prinzipien benannt, die wir auch in der Psyche wieder finden: wir sind dafür, wenn etwas für das Leben nützlich ist, und wir sind dagegen, wenn etwas dem Leben schadet. Oft ist das gar nicht klar zu trennen. Ich erlebe die Sonne einmal warm und angenehm, ein anderes Mal erlebe ich sie als Gefahr und Risiko für die Haut. Viele Nahrungsmittel haben sowohl nützliche als auch schädliche Wirkungen. Im sozialen Leben ist es ähnlich. Ich fühle mich auf der einen Seite von einem Menschen angezogen, auf der anderen Seite finde ich Gründe, weshalb ich ihn meide.

Obwohl dafür und dagegen meistens verknüpft sind, hat sich unser Organismus spezialisiert. Wir haben Handlungssysteme für das Nützliche, wo es zum Beispiel um eine Liebesbeziehung geht, um Familie und Kinder, ums Spielen, Neugierig-sein und um Freunde, und wir haben Handlungssysteme für das Schädliche, wo es um das Erkennen von Gefahren, die Verteidigung und das Aushalten von Schmerzen geht. Wenn ein Vorhaben unsicher wird, können wir versuchen, trotz Schwierigkeiten zum Erfolg zu kommen, oder wir können aufhören, es uns zu wünschen. Pierre Janet hat in diesem Zusammenhang zwei Handlungstypen unterschieden, die er als "Erfolgshandlung" und als "Misserfolgshandlung" bezeichnet hat.

Erfolgshandlung - ich versuche zu bekommen, was ich mir wünsche:

Ich bin mit anderen Menschen, mit meiner Arbeit, oder mit etwas, das mich interessiert, verbunden. Wenn diese gute Beziehung gestört wird, weil mich etwas enttäuscht oder mir Angst macht, bemerke ich es rechtzeitig, strenge mich an, die Störung zu beseitigen und finde zurück in meinen guten Lebensfluss.

Misserfolgshandlung - ich höre auf, es mir zu wünschen:

Ich bin unterwegs zu einem Erfolg, den ich mir wünsche. Auf halbem Weg stoße ich auf ein Hindernis, das kein Weiterkommen zulässt. So sehr ich mich auch anstrenge, ich komme an dem Hindernis nicht vorbei. Auch wenn es sehr weh tut, weil ich viel investiert habe und mir der Erfolg wichtig wäre, entscheide ich mich dafür, meinen Wunsch nach Erfolg wieder freizugeben. Das macht mich traurig, aber ich kann es beenden. Meine Gefühle, die mit meinem Wunsch verbunden sind, lösen sich auf und die gebundene Kraft wird wieder frei.

Gelingt es mir in dieser Situation jedoch nicht, meinen Wunsch nach Erfolg freizugeben, stecke ich fest. Ich kann weder vor noch zurück. Um einen Ausweg aus dieser Not zu ermöglichen, ist unser Organismus in der Lage, einen derart ausweglosen Konflikt vom Bewusstsein abzuteilen und in tiefere Ebenen des Körpers auszulagern. Das ermöglicht einerseits ein Weiterleben, andererseits ist es die Geburtsstunde vieler psychischer und psychosomatischer Störungen.



Wenn ich an einer Erscheinung in der Natur interessiert bin, zum Beispiel an einem Berg oder an einem Sonnenuntergang, dann bin ich ganz frei, weil ich an dieser Erscheinung nichts ändern will. Diese Fähigkeit, nichts zu tun, außer interessiert zu sein und wahrzunehmen wie zum ersten Mal, ist wertvoll. Man könnte sie mit einem Freund vergleichen, der sich ganz für mich interessiert. Wenn ich mir selbst so ein Freund bin, und mich mit dieser freien Haltung innerlich wahrnehme, begegne ich etwas Lebendigem von mir selbst.

Ich könnte meine Psyche wie ein inneres Team sehen, in dem sich jedes Teammitglied auf bestimmte Situationen spezialisiert hat. Ich treffe auf Gefühle, Gedanken und Bilder, deren guten Grund ich oft nicht gleich erkenne. Wenn ich mich für die Mitglieder meines inneren Teams interessiere, erkenne ich vielleicht ...

... Ist es ein Teammitglied, das etwas Nützliches bewirken will, oder geht es um Sensibilität für Bedrohung oder um Verteidigung? Was ist der gute Grund für diese Reaktion und was will das Teammitglied erreichen?

... Liegt der Ursprung für die emotionale Reaktion in der Gegenwart oder in meiner Lebensgeschichte?

... Wie ist es, so zu sein?

In belastenden Alltagssituationen kann es schnell passieren, dass meine Sensibilität für Bedrohung oder meine Verteidigung das Kommando übernimmt. Wenn es mir gelingt, das interessiert wahrzunehmen und dem Raum zu geben, können Gefühle, die mich sonst überfluten würden, innehalten, und Aspekte von mir, die verloren gegangen sind, ins Bewusstsein zurückkehren, sodass ich als ganze Person wieder präsent bin.

Wenn bestimmte belastende Situationen immer wiederkehren, wenn ich als Mensch an meine Grenzen komme, all meine Kraft hergebe und keinen Millimeter weiterkomme, kann dieses "Interessiert sein, an dem was ist", dazu beitragen, einen Resonanzraum zu schaffen, in dem Psychotherapie wirksam werden kann.



Als lebendige Wesen ist es unsere geheimnisvolle Bestimmung, lebendig bleiben zu wollen, und wir sind bereit, viel dafür zu tun. Gleichzeitig wissen wir Menschen, dass wir im Leben nicht alles schaffen und am Ende sterben. Könnte uns diese zweite Gewissheit nicht nur anspornen, um gegen das Unvermeidliche anzukämpfen, sondern auch das rechte Maß für unser Leben finden lassen? Wenn sich das rechte Maß an der Lebendigkeit orientiert, dann lässt es sich nicht im Voraus bestimmen, kann sich nicht am prinzipiellen Dafür oder Dagegen orientieren. Denn: das rechte Maß entspricht einer Lebenspraxis, die in der Lage ist, die Tragik der Existenz auszuhalten, ohne zerstörerische Elemente anzuklagen. In der Vorstellung von Albert Camus können wir das Tragische aller Schöpfung nicht reparieren. Es geht nicht darum, die Innovation zu verachten. Aber wir sollten uns vor Ausschließlichkeit und besonders vor Gewalt hüten, die sich mit Versprechungen zukünftigen Heils rechtfertigt. Diese Welt ist in all ihrer bitteren Unvollkommenheit Ausdruck von etwas, das sich durch unser Handeln nicht grundlegend verbessern lässt. Wir kommen daher an dem Interessiert-sein an dem was ist nicht aus. Diese sinnliche Berührung in Glück oder Pein bewahrt uns davor, dass unsere Freiheit verloren geht und das Leben zum Kampf wird.

 

Das Dilemma unserer Existenz zu verstehen bedeutet, die Tatsache zu akzeptieren, dass wir in einem mittleren Bereich zwischen Verwundbarkeit und schöpferischer Kraft existieren und dass unsere Lebendigkeit immer von beidem etwas enthält. 

Marie-France Hirigoyen

 

Nach Baruch de Spinoza sind wir alle ein Teil der Natur, die er mit Gott gleichsetzt (die Natur sei nicht von Gott erschaffen, sondern die Natur selbst sei Gott). Weil der Mensch ein Teil der Natur ist, handle er im Sinne der Natur und sei daher nicht frei in seinem Willen. Aber der Mensch könne seinen Willen intuitiv erfassen, und Spinoza beobachtete, dass der Mensch gerne herausfindet, was er will, und dass ihm dieses Nachdenken Freude macht. Was erwartet die Natur von mir? Was ist meine Rolle? Wahrscheinlich das! Das will ich mal versuchen ...




Ich bedanke mich sehr herzlich für Ihr Interesse!