Praxis für Psychotherapie

Johannes Resch

Ich freue mich, dass ich Ihnen meine Praxis für Psychotherapie vorstellen darf!



Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch! 
Rainer Maria Rilke (aus dem Gedicht "Was mich bewegt")

Die Natur ist innen. 
Paul Cezanne 

Zu mir kommen Menschen, die

  • in Lebenskrisen stecken
  • Angstzuständen und Zwängen ausgesetzt sind
  • unter Burnout oder Depression leiden
  • unter den Folgen von Traumatisierung leiden
  • unter chronischen Schmerzen leiden
  • mit der medizinischen Diagnose einer schweren Krankheit konfrontiert sind
  • Rat und Unterstützung bei Partnerschaftskonflikten suchen

oder Menschen, die in ihrem Leben etwas verändern oder entwickeln möchten: Ihre Partnerschaft, Ihr Leben mit Kindern, Ihre Gesundheit, Ausbildung und Beruf, Freundeskreis und soziales Netzwerk ...

Wenn Sie sich dafür entscheiden, eine Psychotherapie zu beginnen, ist es nachvollziehbar, dass Sie Befürchtungen haben. Vielleicht haben Sie gemischte Gefühle dabei, denn es ist gar nicht ungewöhnlich, dass eine Seite in uns sich mitteilen möchte, weil sie sich Hilfe wünscht, während eine andere Seite in uns diese Information lieber für sich behalten will. 

Die Einzeltherapie beginnt mit der Vereinbarung des Erstgespräches. Das Erstgespräch dient in erster Linie dem Kennenlernen und um ein Gefühl füreinander zu bekommen.

Als Therapeut möchte ich herausfinden, wie ich allen Aspekten von Ihnen und Ihrer Geschichte zuhören, sie respektieren und verstehen kann. Wenn dabei Beunruhigungen auftreten, wird es den Raum geben, sich über diese auszutauschen. Es wird dann villeicht möglich, die persönlichen Ursachen dafür zu finden, und wir können damit beginnen, widersprüchliche oder schmerzvolle Aspekte Ihres Lebens anders zu gestalten. 

Als integrativer Therapeut folge ich in meiner Arbeit der Grundannahme, dass das körperlich-Seelische und das geistig-Emotionale Eigenschaften des gleichen Menschen sind. Die therapeutischen Handlungen können daher von jeder dieser Ebenen ausgehen.



Eine Einzelsitzung dauert 50 Minuten und kostet EUR 100,00.
Die Preise werden einmal jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst.

Sie erhalten eine Rechnung, die Sie bei Ihrer Krankenkasse einreichen können. Die Kasse erstattet pro Therapiesitzung einen Teil der Kosten zurück, wobei der Betrag je nach Krankenkasse unterschiedlich ist:

ÖGK: 28,00 / SVS, BVA: 40,00.



Was kommt auf dieser Erde der Glückseligkeit am nächsten? Es ist wahrscheinlich die Liebe. Wir wollen immer lieben und geliebt werden. Die Zuneigung, welche zwei Liebende zueinander empfinden, ist unwillkürlich. Sie verdankt sich einer geheimen, mächtigen Anziehung. In der Liebe überschneiden sich unterschiedliche Ursachen und Wirkungen: Bestimmung und Wahl, äußere und innere Kräfte, Schicksal und Freiheit. Das Gebiet der Liebe ist ein durch die Begegnung zweier Menschen magnetisierter Raum.

Bei meiner Begleitung von Paaren habe ich die Erfahrung gemacht, dass jedes Liebespaar eine Ausnahme von jeder Regel ist. Dennoch möchte ich eine Orientierung geben. Der Dichter Octavio Paz hat die Idee der Liebe sorgfältig untersucht, um ihre Natur zu erkennen und die wesentlichen Bedingungen unseres Bildes der Liebe zu ordnen. Er kam dabei auf folgende Elemente:

Das erste Charakteristikum der Liebe ist die schicksalhafte Anziehung und Bezauberung. Die erotische Anziehung ist eine Mischung subtiler Art und jedes Mal anders. Sie besteht aus animalischen Gelüsten und geistigen Archetypen, aus Kindheitserinnerungen und aus Phantomen unserer Träume. Die Erotik ist singulär und verachtet keine Anomalie. Gibt es nicht auch schöne Monster? Wir können eine Person trotz des Verschleißes durch den Alltag und die Gewohnheiten oder ungeachtet der Verheerungen des Alters und der Krankheit lieben.

Das zweite Element der Liebe ist die freie Wahl in Gegenseitigkeit. Es ist nicht egal, ob mit diesem oder mit jener. Wir lieben diese Person und nicht eine andere. Und dies ist die Linie, welche die Grenze zwischen Liebe und Erotik aufzeigt: Erotik ist Einwilligung, Liebe ist Erwählung. Es ist der eigene freie Wille, die eigene Freiheit, die das Verlangen in Erwählung verwandelt. Eine weitere unerlässliche Bedingung auf dem Weg zur Liebe ist die Reaktion des anderen: die oder der andere, die einwilligt oder ablehnt, Ja oder Nein sagt. Es braucht den freien Willen in Gegenseitigkeit.

Im dritten Element geht es um Treue und Hingabe. Das Trachten nach Anerkennung durch die geliebte Person ist das ständige Verlangen aller Liebenden. Jedoch macht die Forderung nach Ausschließlichkeit die Liebe rigoros und zu einer Askese, und tatsächlich ist die Untreue das tägliche Brot der Paare. Wir sind unvollkommene Wesen, und all unser Tun trägt das Stigma unserer ursprünglichen Unvollkommenheit. Nur die freiwillige Vereinigung in Gegenseitigkeit bewirkt einen Wesenswandel hin zu freiwilliger Akzeptierung der Abhängigkeit und zum Verzicht auf persönliche Überlegenheit, zum Beispiel aufgrund des gesellschaftlichen Standes, der Bildung oder anderer überlegener Möglichkeiten.

Das vierte Hauptmerkmal der Liebe besteht in der unauflöslichen Einheit der Gegensätze von Körper und Seele. Die Liebenden lieben den Körper und die Seele gleichermaßen. Ohne körperliche Anziehung gibt es keine Liebe. Auch wenn unsere Tradition seit Platon die Seele gepriesen und den Körper geringgeschätzt hat, die Liebe hat von Anfang an auch den Körper geehrt. Über den Körper ist die Seele fühlbar, wir können die Seele berühren.

Ein weiteres Element der Liebe sind Hindernisse und deren Überschreitung. Alle Paare sehen sich diesen oder jenen Hindernissen und Verboten gegenüber, die ihrer Liebe im Weg stehen, und sie alle übertreten sie.

In der Paartherapie besteht die Möglichkeit, jeden dieser Punkte zu reflektieren und sich anregen zu lassen. Dadurch soll das Vertrauen gefestigt werden, um jene Widersprüche aushalten und wandeln zu können, die in Liebesbeziehungen notwendig auftauchen, wenn das Paar die Liebe in vollen Zügen genießen möchte.

In Liebesbeziehungen tauchen auch Bedürfnisse aus früheren Zeiten auf, nach Verstandenwerden, Gehaltensein und Akzeptanz. Wenn jeder die Erfahrungen des anderen aufnehmen kann, bestehen große Chancen auf eine glückliche Liebe. Dafür braucht es Halt, Sensibilität und eine spezielle Form. Günstig ist ein Dritter, der als Gesprächsleiter den Rahmen vorgibt.



Die Kosten für die Arbeit zu Dritt betragen EUR 120,00 für 60 Minuten. 
Die Preise werden einmal jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst.

Die Mutter wird durch den schöpferischen Austausch während der Schwangerschaft und Geburt, durch den ein neuer Mensch in die Welt kommt, selbst unwiderruflich verändert. Dem Raum zu geben ist das erste wichtige Thema in der Eltern-Kind-Therapie.

Der zweite Schwerpunkt in der Eltern-Kind-Therapie liegt darin, auch dem Kind die Bedeutungshoheit für die eigenen Erlebnisse zuzugestehen und die Eltern dazu zu ermächtigen, das Kind dabei zu begleiten.

Die therapeutische Grundidee für diese Arbeit habe ich bei Thomas Harms gelernt. Sie besteht darin, dass ich den Eltern zuhöre, die dadurch ihrem Kind besser zuhören können.

Spätestens wenn das Kind im Uterus sein Eigenleben beginnt, ist ganz klar, dass die Mutter einen anderen Menschen in sich trägt. Der lebendige Normalzustand ist von Anfang an eine enge Bindung. Auch das Baby im Mutterleib erlebt die Mutter nicht als Teil von sich, sondern als ein Gegenüber.

Die Mutter gibt dem Embryo Identität, indem sie ihn mit ihrem eigenen Körper pflegt. Beide wollen so weit wie möglich verschmelzen, und doch vereinzelt bleiben. So wird unsere Lebensphase im Mutterleib zum Ursprung einer Verbindung-in-der-Trennung, und damit Maßstab dessen, was das Kind später, außerhalb des Mutterleibs, immer wieder herzustellen versucht.

Im Fruchtwasser zu schwimmen, wenn auch adäquat versorgt, setzt dem lebendigen Drang, sich selbst zu erhalten, enge Grenzen. Die Befreiung per Geburt erlöst diesen Drang. Das Neugeborene tauscht den Schutz des Mutterleibes gegen die Welt, die es als Raum für neue Erfahrungen gewinnt. Nun muss sich erweisen, ob der Drang, sich selbst zu erhalten, eine Welt vorfindet, die trägt. Aus der Sicht des Kindes besteht eine Welt, die es weiterträgt, vor allem aus anderen Menschen, die den bewussten Wunsch haben, das Kind lebendig zu machen.

Dazu kommt, dass auch die Mutter durch den schöpferischen Austausch während der Schwangerschaft und Geburt, durch den ein neuer Mensch in die Welt kommt, selbst unwiderruflich verändert wird. Das findet im Trubel der Ereignisse oft nicht genug Bedeutung. Die Mutter sucht dafür einen lebendigen Ausdruck, der wahrgenommen und anerkannt werden möchte. Dem Raum zu geben ist ein wichtiges Thema in der Eltern-Kind-Therapie.

Nach der Geburt besteht die Rolle der Mutter darin, das ihr vom Kind im Mutterleib entgegengebrachte Vertrauen auf die Welt zu übertragen. Sie muss das Kind schrittweise davon überzeugen, dass nicht sie allein die Welt ist. Und sie muss dem Kind die Chance geben, zu erfahren, dass es selbst schöpferische Macht darüber hat, was die Dinge mit ihm anstellen. Das Kind muss die Mutter gleichsam von sich "fortlieben".

Das Vertrauen, das ein Baby während der Zeit im Mutterleib, und danach ausbilden kann, wird zum Maß seines Vertrauens in die Welt. Die Stärke dieses ersten Vertrauens bestimmt sein Leben auch dann noch, wenn es längst erwachsen ist. Dieses Vertrauen dem Kind zu geben, ist ein wunderbares Geschenk. Und es ist auch nie zu früh, und auch nie zu spät, dieses Vertrauen zu vervollständigen.

Nie zu früh deswegen, weil auch Babys ihren "seelischen Raum" bereits intensiv erleben. Es gibt nichts Lebendes, das keine Innenseite hat. Schon in den Monaten vor der Geburt werden die Gefühle der Mutter in den Embryo hineingeschwemmt. In den Worten des Biologen Andreas Weber wird der Embryo von fremden Zuständen manchmal so überflutet, wie einen Wanderer an der Küste die Gewalt eines Sturmes trifft. Dann das Geburtserlebnis, und auch die aufregende Zeit danach. All das sucht lebendigen Ausdruck, der wahrgenommen und anerkannt werden möchte. Hier liegt ein weiterer Schwerpunkt der Eltern-Kind-Therapie: dem Baby die Bedeutungshoheit für die eigenen Erlebnisse zuzugestehen und die Eltern dazu zu ermächtigen, das Baby dabei zu begleiten. Dabei geht es oft darum, das Maß zu finden zwischen dem Bedürfnis der Eltern, dem Kind beizustehen, und dem Verlangen des Kindes nach Ausdruck, das sich an seinem vitalen Drang nach Lebendigkeit orientiert.

Nie zu spät deswegen, weil alles Wesentliche lebendig bleibt und nach Fortsetzung sucht, bis sich Gestalten schließen können. Das erlebe ich in meiner Arbeit mit Erwachsenen, und manchmal auch mit Senioren, wenn ganz frühe Emotionen wieder an die Oberfläche kommen, um nach Antwort, Anerkennung und Frieden zu suchen.



Die Kosten für die Arbeit in der Eltern-Kind-Therapie betragen EUR 120,00 für 60 Minuten. Die Preise werden einmal jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst.

Eine Kostenübernahme oder teilweise Rückerstattung der Kosten durch die Krankenkasse kann im Einzelfall geprüft werden.

Meine Ausbildung zum Psychotherapeuten habe ich in Vorarlberg, Krems und München gemacht. 

Ich bin in der Psychotherapeutenliste des Ministerium für Gesundheit eingetragen und ich bin Mitglied im Vorarlberger Landesverband für Psychotherapie.

Mich faszinieren die vielfältigen Ziele, die in uns Menschen stecken und nach Verwirklichung streben, ausgestattet mit Motivationen und dem Potential für Sinn und Glück - und mich berührt der Schmerz, der nach Hilfe ruft, wenn unser Lebensfluss bedroht ist.

Wenn Sie möchten, begleite ich Sie ein Stück auf Ihrem Weg.

Geboren bin ich 1957 in Oberösterreich, wo ich auch aufgewachsen bin. Ich habe in Graz studiert und danach einige Jahre in Wien gelebt und gearbeitet. Seit 1991 lebe ich in Vorarlberg. Ich habe zwei erwachsene Kinder.

Bevor ich Psychotherapeut geworden bin, habe ich Berufe in verschiedenen Branchen ausgeübt, zuerst als Angestellter, dann als selbständiger Unternehmer. Das Interesse am Menschsein und die damit verbundenen Geheimnisse haben mich dazu motiviert, Psychotherapeut zu werden.

Ich sehe die Wirklichkeit, so wie Albert Camus es ausdrückt, nicht als das Unvollkommene, das wir Menschen durch Utopien und Techniken ändern müssen. Viel mehr ist es das Unvollkommene, das uns zu Mitwirkenden und Gestaltern der Wirklichkeit macht, indem wir unseren Lebensraum lebendig machen. Ich finde es gut, wenn wir uns dieser Schöpfungskraft bewusst sind, und die damit verbundene persönliche Verantwortung anerkennen. Es verbessert unsere Beziehungen und fördert den Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft.


Johannes Resch, MSc
Praxis für Psychotherapie
Integrative Therapie
Am Kehlerpark 5
A-6850 Dornbirn
+43 699 15 95 21 53
psychotherapie.resch@gmx.at
psychotherapie-resch.at

Ich freue mich, wenn Sie mich anrufen oder mir ein E-Mail schreiben.

Anruf:  +43 699 15 95 21 53
Ein Telefongespräch ist sehr gut geeignet, um erste Fragen zu klären und ein Erstgespräch zu vereinbaren.

Email:  psychotherapie.resch@gmx.at
Sollten Sie innerhalb von zwei Tagen von mir keine Rückantwort erhalten, bitte ich Sie, mich anzurufen.

Herzlichen Dank!

Die Integrative Therapie ist ein gesetzlich anerkanntes Psychotherapieverfahren mit humanistisch-existentieller Orientierung, welches in Österreich an der Donau-Universität Krems gelehrt wird. 

Gegründet wurde die Integrative Therapie von Hilarion G. Petzold, Hildegund Heinl und Ilse Orth. Sie beschreibt sich als eine „Wissenschaft systematischer Praxis“, die sich an den klinischen Grundlagentheorien über menschliche Gesundheit, Motivation, Entwicklung und Persönlichkeit orientiert. Das Zurückkehren in ein Empfinden der Verbundenheit mit sich selbst, der Welt und den anderen Menschen ist das Wirksamste, was laut Forschung als Beitrag für psychische Gesundheit gelingen kann.



Körperliche Wunden möchten heilen, seelische Wunden versuchen Frieden zu finden. Das wichtigste Ziel und Vorhaben einer Psychotherapie sehe ich darin, unsere seelische Verwundbarkeit dabei zu unterstützen, Frieden zu finden. Ich stimme der französischen Philosophin Marie-France Hirigoyen zu, wenn sie schreibt:

Das Dilemma unserer Existenz zu verstehen bedeutet, die Tatsache zu akzeptieren, dass wir in einem mittleren Bereich zwischen Verwundbarkeit und schöpferischer Kraft existieren und dass unsere Lebendigkeit immer von beidem etwas enthält.

Wir freuen uns an unserer Kraft und gestalten unser Leben. Trotzdem sind seelische Wunden unvermeidbar. Jeder Misserfolg tut weh und erinnert uns daran, dass Leben immer auch unsicher und bedroht ist. Unsere schöpferische Kraft strebt Erfolge an - während sich unsere verwundbare Seite danach sehnt, Frieden zu finden mit Enttäuschungen, die nicht zu ändern sind. Manchmal wird aus diesen unterschiedlichen Verlangen ein inneres Tauziehen, das viel Kraft kostet und müde macht.

In einer Psychotherapie möchte ich die Frau oder den Mann, mit dem ich zusammenarbeite, dazu ermutigen und dabei begleiten, innezuhalten und Interesse zu entwickeln für alles, was zu ihm gehört - damit er dann sowohl mit seiner schöpferischen Kraft, wie auch mit seiner verwundbaren Seite Kontakt aufnehmen kann. Meine Erfahrung ist, dass besonders die verwundbare Seite ein großes Bedürfnis danach hat, wahrgenommen und anerkannt zu werden. Wenn seelische Wunden auf diese Weise unterstützt werden, gelingt es solchen Wunden besser, sich aus eigener Kraft zu wandeln und Frieden zu finden.

Für diese innere Arbeit ist Kraft erforderlich. Oft beginnt eine Psychotherapie damit, Wege zu finden, um zu Kraft zu kommen.

 

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Woher kommt unsere Kraft?

Unser lebendiger Körper ist einerseits auf Materie angewiesen. Die zweite wichtige Zutat ist ein Gefühl: unser Verlangen zu leben - man könnte auch sagen, unser leben-Wollen oder unser Lebenswunsch. Dieses Gefühl ist eher etwas Geistiges. Ich stimme jenen Biologen und Philosophen zu, die zu der Einsicht gekommen sind, dass Materie und Geist nicht zu trennen sind, sondern dass Materie und Geist zwei Eigenschaften ein und derselben Natur sind. Sonst wären für mich lebendige Organismen nicht vorstellbar, die ja auf beides, - Materie und Geist, untrennbar angewiesen sind. Leben ist das Erscheinen eines körpergewordenen Verlangens nach Leben.

Bereits Materie ist schöpferisch. Sie reagiert nicht nur auf äußere Ursachen, sondern sie bewegt sich auch aus sich selbst heraus nach einem inneren geheimnisvollen Plan. Atome werden Moleküle, Minerale wachsen, Schneeflocken kristallisieren ohne Anleitung. Es sieht so aus, wie wenn ein unbelebtes Stoffgemisch, wenn es genügend komplex ist, von alleine danach strebt, eine Struktur zu entfalten. Eine rätselhafte Ordnung vermag gleichsam das Ruder in die Hand zu nehmen und lässt den Stoff nach ihrer Vorstellung tanzen.

Irgendwann kommen Dinge heraus, die mit dieser Bewegung nicht aufhören wollen. Das ist die Geburtsstunde der lebenden Zellen und damit der lebenden Organismen. Jetzt helfen einander so viele Reaktionen gleichzeitig, dass sich das Ganze von alleine aufrechterhält und im inneren einer winzigen Zelle zu einer erstaunlichen Ordnung führt. Es entsteht ein stabiler Zusammenhalt, der sich durch den ganzen Körper eines Lebewesens fortsetzt, und der in der Lage ist, Schwankungen zu tolerieren. Heilung auf dieser Ebene bedeutet mit den Worten von Andreas Weber, den ungestörten Fluss wieder herzustellen, der den Stoff des Wesens von Augenblick zu Augenblick ordnet. Dieses Bild des Flusses passt für alle unsere Erlebnisse: wir erkennen eine Möglichkeit, realisieren sie, und lassen sie wieder los um uns der nächsten Möglichkeit zuzuwenden.

Die enge Verschränkung von Gefühl und Materie, die allem Lebendigen zugrunde liegt, ist eine Grundbedingung für unsere Lebenskraft. In Krisenzeiten neigt unser Organismus dazu, Raubbau an unserer Körpersubstanz zu betreiben. Daher biete ich Rahmen der psychotherapeutischen Arbeit auch eine Untersuchung der Vitalstoffe in den Körperzellen an, bzw. verweise auf Spezialisten auf diesem Gebiet. Manchmal ist es sinnvoll, chronische Spannungsmuster im Körper zu lösen. Eventuell sind Behandlungen auf diesen Ebenen erste wichtige Schritte, um wieder Kräfte mobilisieren zu können, die für die weitere Behandlung gebraucht werden.



Unser Leben ist nicht nur unsicher und bedroht, wir sterben tatsächlich. Gibt es einen Sinn und Zweck des Sterbens? Ohne Verwundbarkeit hätten wir keine Gefühle. Ohne Endlichkeit gäbe es keine Werte. Ich finde, das sind Teilantworten, die aber den emotionalen Gehalt der Frage nach dem Sinn des Sterbens nicht gut berücksichtigen. Für mich hat die Idee, wieder ein Teil von allem zu sein, auch etwas Romantisches. Es beruhigt mich in stabilen Lebensphasen. Aber wenn es ernst wird und der Körper in Gefahr ist, ist es vermutlich mit der Ruhe vorbei.

Trotzdem wollen wir leben. Warum ist das so? In der Philosophie Spinozas hat diese Frage eine zentrale Stellung. Das Verlangen nach Leben ist das stärkste Gefühl in jedem Lebewesen. Daraus resultiert unser Streben, unsere Existenz zu bewahren und zu entfalten. Spinoza kam zu dem Schluss, dass wir Menschen nicht ergründen können, woher dieses Verlangen und Streben tatsächlich kommt. Er hat damit bis heute Recht behalten. Wir spüren unseren Lebenswunsch als unser stärkstes Gefühl, aber wo kommt es her? Wir haben keine Ahnung.

Jedenfalls sind Konflikte vorprogrammiert, denn mit unserem Lebenswunsch teilt sich unser Wesen. Eine Seite von uns widmet sich der kreativen Gestaltung unseres Lebens. Die andere Seite möchte Verwundungen verhindern und versucht, Gefahrenquellen zu kontrollieren - auch wenn es nicht immer gelingt. Diese Teilung unseres Wesens bewirkt, dass unsere Persönlichkeit nicht homogen ist. Menschen haben nicht nur einen Charakter. Vielmehr ist es so, dass jeder Mensch mehrere sehr unterschiedliche Wesensarten hervorbringt, abhängig davon, ob ihm die Welt gerade gute Möglichkeiten bietet oder ob sie ihn mit Schädlichem bedroht.

Der holländische Psychotherapeut Ellert Nijenhuis hat diese Teilung der Persönlichkeit sehr genau untersucht und dabei auf einen wichtigen Umstand hingewiesen: Wesensarten, die das Leben kreativ gestalten möchten, sind eher zukunftsorientiert. Wesensarten, welche die Aufgabe übernommen haben, Schmerzen auszuhalten oder bedrohliche Situationen zu kontrollieren, sind eher vergangenheitsorientiert in dem Sinn, dass sie bedrohliche und verletzende Zusammenhänge der Vergangenheit wieder hervorbringen und in die gegenwärtige Situation hineinlegen - insbesondere dann, wenn diese Verwundungen noch keinen Frieden gefunden haben.

Die Gefühle dieser beiden unterschiedlichen Gruppen von Wesensarten sind sehr unterschiedlich. Während das Gefühlsspektrum unserer Schöpfungskraft von Freude über Flow bis zur Zufriedenheit reicht und uns manchmal auch stolz macht, besteht das Gefühlsspektrum der verwundbaren Wesensarten aus Angst, Wut, Ekel, Schmerz und Trauer. Dazu kommen sekundäre Gefühle wie Misstrauen und Anklage oder Schuld und Schamgefühle.

Es ist nur allzu verständlich, dass sich unsere schöpferisch tätigen Wesensarten und unsere Wesensarten, die in (zum Teil alten) Verwundungen und Bedrohungen involviert sind, manchmal nicht sehr gut verstehen. Hier vermittelnd und helfend einzugreifen, ist mein zentrales Anliegen in der Psychotherapie.



Es bietet sich an, unsere Wesensarten in unser Bewusstsein einzuladen. Ich empfehle dafür eine Methode, die aus folgenden Schritten besteht: Innehalten, Interesse, Wahrnehmen, Kontakt und Anerkennen.

Ich möchte die fünf Schritte kurz erläutern. Dafür verwende ich das Bild eines guten Gastgebers. Der gute innere Gastgeber interessiert sich für alle Wesensarten gleichermaßen. Er ergreift für niemand Partei, ist mit niemandem befreundet und mit niemandem verfeindet.

Innehalten

Ein guter Gastgeber unterbricht seine eigenen Projekte um für jemand anderen da zu sein und sich zuerst einmal auf den Besuch vorzubereiten. Nicht weil dieser Gast irgendwelche besonderen Eigenschaften hat, sondern einfach deswegen, weil es ihn gibt - und in diesem Fall: weil es etwas von mir ist, ein ganz persönlicher Gast. 

Interesse

Interessieren ist eine liebende Haltung. An sich selbst interessiert sein, nicht weil es sich gut anfühlt - obwohl das natürlich auch erlaubt ist, sondern weil es da ist, auch wenn es erstmal unbequem ist. Das braucht Mut. Es gibt etwas, wo es mich hinzieht, auch wenn der Anfang oft nicht angenehm ist.

Wahrnehmen

Innere Gäste kommen mitsamt ihren Gefühlen. Und oft haben diese Gefühle mit unausgesprochenen Beziehungserfahrungen zu tun. Momente, oder ganze Lebensphasen, in denen keiner gefragt hat, sich keiner Zeit genommen hat, sich keiner interessiert hat, keiner geschaut hat.

Jetzt nehme ich als guter Gastgeber den Gast wahr wie zum ersten Mal. Ich frage, ich spüre, ich fühle, ich nehme mir Zeit, ich interessiere mich. Ich schaue den Gast an.

Kontakt

Und dann nehme ich Kontakt auf. Im Bild des Gastgebers wäre das die Begrüßung, und ich frage den Gast bei der Begrüßung, stimmt das, was ich wahrnehme? Wie geht es dir gerade wirklich? Was ist los bei dir? Und ich frage, bis ich es wirklich verstanden habe.

Anerkennen

- und dann sage ich: Ah, so ist es gerade bei dir! Jetzt verstehe ich es besser. Ich bleibe ein bisschen da bei dir. Das bin auch ich. Das gehört zu mir - um dann den Besuch zu beenden und wieder aus der Gastgeberrolle herauszugehen.

 

Zum Abschluss noch einmal die Essenz dieser fünf Schritte als kurze Übungsanleitung:

Innehalten.

Eine offene, interessierte Haltung einnehmen,

Wahrnehmen ... das treffende Wort finden.

Kontakt anbieten: "Ah, so ein ... (das Wort einsetzen)." - Gibt es eine Reaktion?

Anerkennen: "Aha, das bin auch ich." "Das gehört zu mir." - Ein bisschen dabei bleiben,

 

Die Idee dieser Methode kann mit kleinen Adaptierungen auch bei Begegnungen mit anderen Menschen angewendet werden, mit denen ich mir eine nahe Beziehung wünsche.




Ich bedanke mich sehr herzlich für Ihr Interesse!